Operationen bei Prostatakrebs

Klassische offene Operation

Die operative Entfernung der Prostata (offene radikale Prostatektomie) ist die am häufigsten angewandte  Methode zur Behandlung des örtlich begrenzten Prostatakarzinoms. Für diese OP-Methode liegen die umfangreichsten Langzeitergebnisse vor. Das Ziel der Operation ist es, die Prostata und damit den Krebs möglichst vollständig zu entfernen. Liegen bestimmte Ausgangsbefunde vor, kommt die nervenschonende Prostatektomie zur Anwendung. Bei dieser speziellen Operationstechnik werden die dicht an der Prostata entlang laufenden, für die Erektion zuständigen Nerven durch mikrochirurgische Techniken geschont, um die Potenz und damit auch die Kontinenz zu erhalten. Blutungskomplikationen spielen heute durch die große Erfahrung keine Rolle mehr. Der Zugang erfolgt über einen kleinen Bauchschnitt und erlaubt gleichzeitig die häufig erforderliche Entfernung der Lymphknoten oder er erfolgt über einen Schnitt vom Damm aus. Der Krankenhausaufenthalt beträgt üblicherweise vier bis sieben Tage. Ein Team von Physiotherapeuten unterstützt Sie in den ersten Tagen bei der Mobilisation und erklärt Ihnen das erforderliche Beckenbodentraining. Eine dreiwöchige Anschlussheilbehandlung (Rehabilitation ambulant in Berlin, z.B. Auguste-Viktoria-Klinikum, oder stationär im Berliner Umland) wird über unseren Sozialdienst beantragt.

Für Beratungen stehen Ihnen Ihre Vivantes Spezialisten jederzeit zur Verfügung.

Minimal-invasive Prostataoperation (3D-MIC)

Ende der neunziger Jahre wurde neben der klassisch-offenen radikalen Prostataektomie die sogenannte minimal-invasive OP-Technik etabliert, die auch als Laparoskopie (umgangssprachlich Knopflochchirurgie) bezeichnet wird.

Hierbei handelt es sich nicht um eine offene Schnittoperation, der Zugang zum menschlichen Körper erfolgt stattdessen über kleinste Einschnitte. Durch diese werden dann Instrumentenhülsen in den Körper eingebracht, die als Führung für die Operationsinstrumente (Scheren, Haltezangen u.v.m.) dienen. Der Operateur führt den Eingriff mit diesen Instrumenten und einer Optik durch. Auf einem Bildschirm verfolgt das OP-Team den gesamten Eingriff.

Der entscheidende Vorteil der laparoskopischen Operation für den Patienten ist die Vermeidung eines großen Hautschnittes. Für den Operateur ergibt sich eine exzellente Darstellung der anatomischen Verhältnisse im Körper, die zu einem geringeren operativen Trauma und verbesserten Operationsergebnissen führen soll.

Das Erlernen minimal-invasiver Operationen ist jedoch nicht einfach und führt bei den Ärzten zu einer längeren Lernkurve, ehe die OP-Technik perfekt beherrscht wird.

Die Vorteile der Laparoskopie liegen vor allem in einer geringeren Traumatisierung des Patienten durch die OP, geringeren Schmerzen nach dem Eingriff, einer geringeren Rate von notwendigen Bluttransfusionen und einer kurzen postoperativen Erholungsphase.

In den letzten 10 bis 15 Jahren hat die Laparoskopie in der Urologie in breitem Rahmen Einzug gehalten. Manche Operationen, z.B. an der Niere, sollen nur noch minimal-invasiv durchgeführt werden.

Auch die operative Therapie des Prostatakarzinoms hat sich dementsprechend verändert. Viele urologische Kliniken in Deutschland führen die radikale Prostatektomie heute als minimal-invasiven Eingriff durch, entweder als reine Laparoskopie oder mithilfe des DaVinci-Robotersystems.

3D-Laparoskopie

Eine technische Weiterentwicklung der klassischen Laparoskopie stellt die sogenannte 3D-Technik dar. Ähnlich wie bei modernen TV-Geräten wird dem OP-Team das Bild vom OP-Bereich in dreidimensionaler Form präsentiert. Alle an der Operation Mitwirkende, Schwestern und Ärzte, tragen hierbei 3D-Brillen. Gerade bei Prostatakrebs-Operationen führt die 3D-Technik zu Verbesserungen. Mit Hilfe der Technik gelingt es, die Anatomie noch besser darzustellen und den Erhalt des Schließmuskelapparates (Vermeidung der Inkontinenz) sowie der Nerven und Gefäße für die Erektion zu sichern.

Alle Urologischen Kliniken von Vivantes verfügen heute über modernste 3D-Systeme für minimal-invasive operative Eingriffe in der Urologie. Verbunden mit der hohen Expertise unserer Operateure sichern wir damit die optimale chirurgische und technisch-innovative operative Therapie unserer Patienten mit einem Prostatakarzinom ab.

Roboter-assistierte Operationen mit dem DaVinci System

Das Vivantes Prostatazentrum verfügt über ein DaVinci-Robotersystem der neuesten Generation. Viele urologische Operationen können heute bereits in minimal-invasiver Technik, das heißt schonend und über kleinste Schnitte durchgeführt werden. Bei komplexen Operationen, zum Beispiel in der Behandlung urologischer Krebserkrankungen, stößt die klassische Laparoskopie aufgrund der technischen Limitationen aber oft an ihre Grenzen. Mitilfe des DaVinci-Systems können diese Grenzen überwunden werden. Die roboter-assistierte Chirurgie stellt also eine Weiterentwicklung laparoskopischer OP-Verfahren dar.

Mit Unterstützung des OP-Roboters wird die Präzision offener OP-Verfahren erreicht, ohne dass ein großer Bauchschnitt angelegt werden muss. Operationen mit dem DaVinci-System gelten somit als besonders schonende Alternative zu offenen Operationen. Der „Roboter“ führt die Operationsschritte dabei nicht automatisch durch, sondern überträgt lediglich die Finger-Hand-Bewegungen des Operateurs besonders präzise auf die Instrumente im Körperinneren. Zusätzlich erleichtert eine 3D-Sicht und Vergrößerung des Körperinneren die Identifikation wichtiger Körperstrukturen. Über kleine Schnitte können so auch komplexe Operationen präzise durchgeführt werden.

Besonders geeignet ist das System für Eingriffe im Becken und Bauchraum. In der Behandlung des Prostatakrebses stellt die DaVinci-Methode heute das modernste Operationsverfahren dar. Die freie Beweglichkeit der Instrumente verbunden mit der hohen optischen Auflösung (3D-Sicht in HD-Qualität) erleichtern die Schonung wichtiger Körperstrukturen, wie zum Beispiel Nerven und kleinere Gefäße, die für den Erhalt der Potenz und Kontinenz (d.h. das Halten des Urins) entscheidend sein können. Kleinere Schnitte bedeuten für den Patienten außerdem weniger Schmerzen nach der Operation.

Das DaVinci-Robotersystem wird derzeit von unseren Experten an allen Standorten neben der klassischen offenen Operation eingesetzt. Die Wahl des OP-Verfahrens ist von der individuellen Situation, aber auch den Wünschen des Patienten abhängig. Unsere Experten beraten Sie zu Vor- und Nachteilen der einzelnen OP-Methoden. 

Ablauf einer Roboter-assistierten DaVinci-Prostatatektomie (Prostataentfernung)

Die radikale Entfernung der Prostata (sog. radikale Prostatektomie) kann heute sicher und schonend mit dem DaVinci-Robotersystem über kleine Schnitte durchgeführt werden. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Eine Aufnahme ins Krankenhaus ist erst am Tag der Operation erforderlich. Der Ablauf der Operation an unserer Klinik wird hier kurz dargestellt. Sollten Sie Fragen zur Operation haben, sprechen Sie uns bitte an. Wir beraten Sie gern in einem persönlichen Gespräch.

Die Operation wird in um ca. 10 – 20° kopfwärts abgesenkter Rückenlage des Patienten durchgeführt. Die Arme liegen neben dem Körper. Der Zugang zum Bauchraum wird über einen ca. 1 cm großen Schnitt am Nabel hergestellt. Es wird über diesen Zugang zunächst ein mit Kohlendioxid angereichertes Gas in den Bauchraum eingebracht. Danach kann ein Röhrchen (sog. Trokar) über den Schnitt eingebracht werden. Über diesen Trokar wird die Kamera in den Bauchraum vorgeschoben und die Lage der inneren Organe begutachtet. Unter Sichtkontrolle können jetzt auf einer Linie vom Nabel zum Beckenkamm weitere Zugänge über 5 – 7 mm große Schnitte etabliert werden. Diese Zugänge werden ebenfalls mit Trokaren offen gehalten.

Der Patientenwagen des Roboters kann nun seitwärts dem Patienten genähert werden. An unserer Klinik bevorzugen wir das sogenannte Seiten-Docking, so dass die Beine nicht gespreizt werden müssen. Die Roboterarme werden dann mit den Trokaren verbunden. Danach können die OP-Instrumente in den Körper vorgeschoben werden. Der Operateur übernimmt nun an der Steuerkonsole des Roboters die Kontrolle über die Instrumente.

Das DaVinci-Robotersystem führt Operationsschritte weder selbstständig noch automatisch aus. Es überträgt lediglich die Finger-Hand-Bewegungen des Operateurs besonders präzise auf die Instrumente. Der Operateur hat damit die volle und uneingeschränkte Kontrolle über die Bewegungen der Instrumente.

Die eigentliche Operation beginnt nun mit dem Lösen der Harnblase von der vorderen Bauchwand. Dadurch wird der Raum  hinter dem Schambein freigelegt und der Zugang zur Prostata ermöglicht. Durch Eröffnen der bindegewebigen Begrenzung des Beckenbodens werden die Seitenflächen der Prostata sichtbar. Hier können nun die Gefäß-Nerven-Bündel von der Prostatakapsel abgelöst werden. Dabei wird eine Schicht zwischen den bindegewebigen Hüllen der Prostata dargestellt. Danach werden die auf der Prostatavorderfläche verlaufenden Gefäßgeflechte dargestellt und unterbunden.

Im nächsten Schritt wird die Harnblase von der Prostatabasis getrennt. Dabei wird der Harnblasenhals (Einmündung der Harnblase in die Harnröhre) weitgehend erhalten. Nach Abtrennen der Harnblase werden die Samenblasen freigelegt und aus dem umgebenden Gewebe ausgelöst. Damit wird die Vorderfläche des Mastdarmes sichtbar. Der Mastdarm wird nun von der Rückfläche der Prostata abgeschoben. Seitlich ziehen jetzt noch Gefäße zur Prostata, die Schritt für Schritt unterbunden und durchtrennt werden. Bei Erhalt der Gefäß-Nerven-Bündel werden diese nun komplett von der Prostata abgeschoben. Durch die exzellente Sicht und Vergrößerung des OP-Feldes erleichtert der DaVinci-Roboter die Schonung wichtiger Gefäße und Nerven.

Mit der Durchtrennung der bereits unterbundenen Gefäße an der Prostatavorderfläche beginnt die Freilegung der Prostataspitze und der Harnröhre. Hier gelingt mit dem DaVinci-System eine besonders präzise Präparation. Die Harnröhre kann trichterförmig aus der Prostataspitze ausgelöst werden - so können für die Kontinenz wichtige Anteile der Harnröhre erhalten werden. Nach dem Durchtrennen der Harnröhre ist die Prostata vollständig freigelegt und kann in einem Bergebeutel bis zur Entfernung gelagert werden. Durch eine Schnellschnittuntersuchung kann in dieser Phase der Operation die Entfernung der Prostata im Gesunden überprüft werden.

Der Operateur prüft nun das Operationsfeld und stillt noch vorhandene Sickerblutungen durch feine Nähte. Außerdem können, falls notwendig, die lokalen Beckenlymphknoten entfernt werden. Abschließend wird die Harnblase wieder mit dem Harnröhrenrest verbunden. Das Robotersystem erlaubt dabei eine fortlaufende, besonders dichte Naht mit geringer Fadenstärke. Durch diese Nahttechnik kann der Dauerkatheter in unserer Klinik bereits ab dem 3. Tag nach der Operation entfernt werden. Die Dichtigkeit der Naht wird noch während der Operation geprüft. Danach kann das Robotersystem von den Zugängen getrennt und vom Patienten entfernt werden.

Die Prostata wird nun zusammen mit den Lymphknoten über den Nabelschnitt geborgen. Der Schnitt muss dabei je nach Prostatagröße auf ca. 3 cm erweitert werden. Nach einer sorgfältigen Kontrolle des Bauchraumes werden die Schnitte wieder verschlossen. Die Einlage einer Drainage ist nicht erforderlich. Die Nähte der Haut sind selbstauflösend und müssen deshalb später nicht aktiv entfernt werden. Nach dem Ausleiten der Narkose verbringt der Patient noch einige Zeit im Aufwachraum, bis eine Rückverlegung auf die Normalstation erfolgt.

Sollten Sie weitere Fragen zum Ablauf der Operation oder zu alternativen Therapieformen haben, sprechen Sie uns bitte direkt an. Sie erreichen uns telefonisch oder per E-Mail. Unsere Operateure beraten Sie gern in einem persönlichen Gespräch.